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Die drei Arten der Hochzeitsfotografie

Details von Schmuck und Dekoration, die Architektur und Landschaft, in die sich die Feierlichkeit einfügt, und natürlich die Menschen: Der Hochzeitsfotograf zeichnet ein Bild der gesamten Hochzeit. Aber Wie? Das ist eine Frage des Stils. Es lassen sich drei Arten der Hochzeitsfotografie ausmachen:

1. Der traditionelle Stil (klassisch arrangierte Hochzeitsfotos)
2. Der dokumentarische Stil (die "Hochzeitsreportage")
3. Der künstlerische Stil (fine art Hochzeitsfotografie)

1. Die klassische Art, Hochzeitsfotos zu erstellen, ist etwas für traditionelle Fotografen: Die wichtigen Personen werden vor einem passenden Hintergrund arrangiert und dann unter Sicherstellung der korrekten Belichtungstechnik erfasst. Die Hochzeitsfotos erfüllen einen gewissen Standard, der sich deutlich von Amateur-Fotos abhebt. Der Fotograf erreicht dies dadurch, dass er die Grenzen der Aufnahmetechnik kennt und ganz bewusst Mittel einsetzt um die Bildqualität zu verbessern.

2. Die sogenannte Hochzeitsreportage hat das Ziel, die Geschehnisse auf der Hochzeit unbeeinflusst zu lassen und relativ neutral zu dokumentieren. Der Hochzeitsfotograf sieht die Feier mit dem Auge eines unabhängigen Beobachters und macht daraus eine journalistisch aufbereitete Geschichte, in der er nach Maßgabe seines persönlichen Empfindens auch Schwerpunkte setzt.

3. Für Künstler der fine art Hochzeitsfotografie sind die unzähligen Erlebnisse, die eine Hochzeit auslöst, eine Inspiration, diese Eindrücke in schönen Bildern zu verdichten. Der Künstler folgt nicht den Maßgaben einer fotografischer Genauigkeit oder Informations-Vollständigkeit, sondern einzig den Vorgaben einer ästhetischen Vision, die aus seinem persönlichem Stil, der Besonderheit der jeweiligen Hochzeit und den spontanen Situationen erwachsen.

Damit hat jeder Stil der Hochzeitsfotografie seine Berechtigung. Traditionalisten fühlen sich mit der klassischen Art am wohlsten, viele moderne Brautpaare wollen einmal im Rampenlicht einer journalistischen Performance stehen und wer selber kreativ ist oder höchste Ansprüche an die Bildwirkung stellt, wird sich für die fine art Fotografie entscheiden. Es ist natürlich eine Geschmacksfrage, welcher Stil favorisiert wird. Klar ist nur: Ein Hochzeitsfotograf, der nicht seine ganze Leidenschaft und sein ganzes Können für kompromislos schöne Bilder einsetzt, hat auf ihrer Hochzeit nichts verloren.

Die drei Stile der Hochzeitsfotografie lassen sich in folgender Tabelle zusammenfassen:

  klassische Hochzeitsfotos moderne Hochzeitsreportagen fine art Hochzeitsbilder
Fotografen-Typ: Techniker Journalist Künstler
Ideale Berufliche Hintergründe und Ausbildung: Handwerkliche Fotografen-
ausbildung, Meistertitel, Tätigkeit als Fotograf
Handwerkliche oder akademische Ausbildung, Tätigkeit als Journalist oder Street-Fotograf. Etablierung als Künstler, Akademisch- künstlerischer Werdegang.
Herausforderung: Wie gelingt es, die Ereignisse und vor allem die Personen einer Hochzeit fotografisch vorteilhaft einzufangen? Wie gelingt es, die wesentlichen Geschehnisse einer Hochzeit unverfälscht und interessant in Bildern zu dokumentieren? Wie gelingt es, das Wesen und das angestrebte Ideal dieser Hochzeit in Bildern von besonderer Schönheit zu verwirklichen?

Was Fine Art Hochzeitsfotografie bedeutet, zeigen Zitate von international bekannten Hochzeitsfotografen:

"Hochzeitsfotografie handelt vom Im-Moment-Sein. Ein guter Hochzeitsfotograf weiß, wie man den Moment und das Wesen der Person in diesem Moment ins Bild bringt. [...] Ich sehe mit dem Herzen und mit dem Herzen mache ich auch Fotos. Ich liebe Hochzeiten, weil sie voller Gefühl sind, und es ist eine Ehre für mich, auf dem schönsten Tag im Leben eines Hochzeitspaares eingeladen zu sein und diesen Tag mit ihnen zu teilen."
Joe Buissink, Top-Hochzeitsfotograf

"Als Hochzeitsfotograf bist Du Stimme und Vision der persönlichen Geschichte Deiner Kunden - Eine Verantwortung, die nicht leicht zu nehmen ist."
Amanda Sudimack, Top-Hochzeitsfotografin

"Es ist echtes Leben. Nur Schöner."
Elisabeth Messina, Top-Hochzeitsfotografin

"Wenn ich durch meine Kameralinse schaue, versuche ich immer Kunstwerke zu schaffen, die ich mir an die Wand hängen würde, wenn ich der Kunde wäre."
Melanie Nashan, Top-Hochzeitsfotografin

"Den Fine-Art-Foto-Look machen warme Farbtöne, weiche Hintergründe und Farben, die fast pastellig sind"
Jose Villar, Top-Hochzeitsfotograf

Fine Art Hochzeitsfotografie ist die schwierigste Art der Hochzeitsfotografie. Zum einen weil nicht alles nach Schema F abläuft, sondern immer neue Einstellungen gefunden und auch mal Experimente mit der Situation gemacht werden. Zum anderen auch, weil oft mit weit offener Blende und mit dementsprechend sensibler und gering fehlertolerablen Kameratechnik fotografiert wird. Zusätzlich werden bei echter fine art Fotografie absichtlich schwierige Lichtsituationen genutzt um herausragend ausdrucksstarke Fotografien zu erschaffen. Für die Anwendung dieses Stils auf einer Hochzeit, auf der sich nichts wiederholt, muss der Fotograf diese Vorgehensweise perfekt beherrschen. Selbstverständlich kann ein künstlerischer Fotograf auch klassische Fotografien anfertigen, setzt aber einen anderen Schwerpunkt.

Unsere Hochzeitsfotografie ist letzlich aber eine gute Mischung aus zwei Ansätzen: Wir machen Hochzeitsreportagen im fine-art-Stil.

Literatur:

Dunkler, Achim: Eins zu hundert. Die Möglichkeiten der Kameragestaltung. UVK 2009.

Feininger, Andreas: Die hohe Schule der Fotografie. Heyne 2005.

Reil, Andreas: Videofilme professionell gemacht. 2008.

Tobin, Jaqueline (Hrsg.): Wedding Photography Unveiled.Inspiration and Insight from 20 Top Photographers. 2009.

Turner, Michelle: Hochzeitsfotografie. Mitp 2008.

Valenzuela, Roberto: Picture Perfect Practice. A Self-Training-Guide to Mastering the Challenges of Taking World-Class Photographs.

Villa, Jose & Jeff Kent: fine art wedding photography. How to Capture Images with style for the modern bride. New York 2011.